Ich habe mich unlängst mit der Entwicklung des Sparverhaltens in Österreich auseinandergesetzt.

Ich habe mich unlängst mit der Entwicklung des Sparverhaltens in Österreich auseinandergesetzt. Die Reformen des Pensionssystems der letzten Jahre müssten ja eigentlich die Vorsorgebereitschaft der Österreicher stark erhöht haben. Laut Statistik Austria haben sich seit 2004 (bis Ultimo 2013) die Ausgaben der Privathaushalte fürs Sparen um knapp über 10 % erhöht. Das hat mich dann doch etwas irritiert. Wie schon eingangs erwähnt, angesichts der Kürzungen der Pensionen in den vergangenen Jahren und den zu erwartenden Kürzungen der nächsten Jahrzehnte wäre es ja nur logisch, wenn die Österreicherinnen und Österreicher mehr zur Seite legen würden. Der Begriff „Pensionslücke” ist nun den Menschen ja hinreichend bekannt.

Doch vielleicht geht es uns wirtschaftlich nicht gut genug, sodass die Menschen einfach zu wenig Einkommen haben, um sich eine Pensionsvorsorge bzw. ein Ansparprodukt zu leisten. Die Debatte um die hohe Steuerlast sowie die immer weiter steigende Abgabenquote wird ja gerade in den vergangenen Monaten sehr hart geführt. Nun habe ich mir die Konsumausgaben der Privaten Haushalte angesehen. Diese sind im selben Zeitraum um mehr als 33 % gestiegen. Somit legt dies den Schluss nahe, dass die Haushalte mehr in den Konsum als ins Sparen investieren bzw. das für das Sparen vorgesehene Geld in andere Ausgaben fließt.

Natürlich spielen hier auch noch andere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise die niedrigen Zinsen, die Unsicherheiten an den Märkten sowie die Krise um den Euro. Doch es liegt meiner Meinung nach auch an den unattraktiven Produkten bzw. Lösungen die von Finanzunternehmen den Anlegern angeboten werden. Zu hohe Kosten, Intransparenz, unzureichend geschulter Vertrieb, zu wenig Kundenorientierung, verstaubte Produkte etc. Diese Liste könnte man noch beliebig weiterführen. Produziert die Finanzindustrie an den Bedürfnissen der Menschen vorbei? Ich denke, man sollte sich vielmehr mit den Bedürfnissen der Kunden beschäftigen, als mit der Kreation von Produkten. Wie kann ich dem Kunden klar machen, was veranlagen bedeutet an Stelle ihm erklären zu müssen, was „Ausstoppung” heißt. Hier sind neue Ideen gefragt, die dem Kunden die Bedeutung der Veranlagung für sein persönliches Leben vor Augen führen und nicht irgendwelche Renditeversprechungen, welche dann in einem Hochglanzprospekt mit einem Segelboot oder Heißluftballons transportiert werden. Der Berater muss essentielle „social skills” erlangen, um den Kunden diese Botschaften zu übermitteln (und hier meine ich keine Verkaufsschulungen im herkömmlichen Sinn).

Die Finanzindustrie muss auch moderner werden, dazu gehören auch Onlineangebote vor allem für die jetzt heranwachsende Generation. In einer Studie aus Deutschland unter den 18 – 34 Jährigen vertrauen nur 30 % einer Privatbank, wobei rund 66 % ein Paypal Account haben und mit diesem auch bezahlen. Paypal hat in dieser Kundenschicht einen Bekanntheitsgrad von 96 %. Die Kunden möchten möglichst rasche und einfache Abwicklungen von Finanztransaktionen. In dieser Studie sind übrigens die Direktbanken noch weiter abgeschlagen. Ein interessantes Detail aus einer weiteren Studie: Zwölf bis 15-jährige verbringen nur noch 3 % ihrer Zeit zu kommunizieren mit telefonieren – der größte restliche Teil der Kommunikation wird von den Kunden von morgen mittels Textnachrichten und sozialer Netzwerke erledigt! Und trotzdem setzen viele Anbieter noch auf traditionelle Callcenter und setzen die Zukunft in die persönliche Betreuung durch den Außendienstmitarbeiter (der dann erst wieder Produktverkauf an Stelle von fundierter Lebensfinanzberatung anbietet).

Sie sehen also, wir – die Finanzbranche – werden umdenken müssen und unsere Geschäftsmodelle überarbeiten. Wie können wir die Produkte attraktiver und zeitgemäßer machen – auch im Lichte der Probleme an den Märkten. Doch was beschäftigt im Moment die Finanzberater noch mehr? Ob MiFID II Provisionen erlaubt und wenn ja – wie muss (!) ich diese an die Kunden kommunizieren! So werden wir die Österreicher nicht zum Veranlagen motivieren.

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